Forschungswerkstatt II

Wissenschaftseinrichtungen als ‚gendered institutions‘

Dipl. päd. Alexander Wedel und Mirjam Christ (TU Dresden/IRIS e.V.)

Im Zentrum der Werkstatt stand die Diskussion um Arbeitskultur im Wissenschaftsfeld im Sinne einer zentralen Karrierebedingung. In Anknüpfung an die Vorträge des Symposiums wurde eine geschlechtersensible Perspektive eingenommen. Wir stellten ausgewählte Textpassagen aus einem Interview mit einer Nachwuchswissenschaftlerin vor, dass im laufenden Forschungsprojekt „Wiedereinstieg von Frauen in Wissenschaftskarrieren“ geführt wurde.

Entlang des Interviewverlaufs wurden verschiedene Themen aufgegriffen und gemeinsam reflektiert, zudem wurde eine Erzählstrategie der Nachwuchswissenschaftlerin herausgearbeitet. Auffällig war die implizite Andeutung problematischer und entmutigender Arbeitsbeziehungen bei gleichzeitig übergreifend positiver Bilanzierung des Arbeitsumfeldes.

Die Diskussionsteilnehmer/innen stellten diesbezüglich besonders die verdeckten Thematisierungen heraus:

Durch den Führungsstil der leitenden Person im Arbeitszusammenhang wird Hierarchie unter-schiedlich hergestellt (z.B. über Anwesenheitszeiten, 'Output', Entscheidungsbefugnisse gebunden an bestimmte Stellenkonstruktionen, Akquise industrierelevanter Forschung).

Anerkennungsmechanismen sind hochgradig von der Fächerkultur abhängig. Im Interview führte bspw. die erfolgreiche Betreuung vieler Abschlussarbeiten im Fachbereich Biologie zu einer hohen Nachfrage eines persönlichen Forschungsschwerpunktes und damit zu einer erhöhten Forschungs- und Publikationstätigkeit, die wiederum als Einsatz in der Konkurrenz um Stellenbesetzung präsentiert wurde.

Wissenschaftliche Konkurrenz kann dabei als privater Disput oder Hierarchiekonflikt gedeutet werden. Im Interview schilderte die Nachwuchswissenschaftlerin Konkurrenzsituationen mit Frauen als Disput und mit Männern als Hierarchiekonflikt, privat sei in der Beziehung zu den Männern „alles super“. 

Auch an anderen Textstellen setzt die Interviewte die Geschlechterdifferenz ein, um die lokale Arbeitskultur von anderen Erfahrungsbereichen abzugrenzen. In einer abschließenden Runde fand ein anregender Austausch zu möglichen Ansatzpunkten gleichstellungspolitischer Arbeit statt:

Bestimmte Führungsstile führen zu Ungleichheit im Geschlechterverhältnis. Braucht es in der Wissenschaft deshalb mehr Schulungen zu Führungsqualitäten? Welche Anreize können Wissenschaftsorganisationen für Leistung schaffen, ohne eine zeitlich umfassende Verfügbarkeit der Wissenschaftler/innen vorauszusetzen? Gibt es alternative Anerkennungsmöglichkeiten in Wissenschaftsorganisationen abseits der Reputation im Wissenschaftsfeld?

Rückfragen zum Projekt "WiFraWi"

Das Projekt "Wiedereinstieg von Frauen in Wissenschaftskarrieren" wurde mit der Veröffentlichung der Publikation "KarriereSorgen. Wissenschaft zwischen Exzellenz und Fürsorge" bei Beltz Juventa  abgeschlossen. Bei Interesse/Rückfragen wenden Sie sich gern an IRIS e. V.

Neuerscheinung
"KarriereSorgen"

Die Publikation "KarriereSorgen. Wissenschaft zwischen Exzellenz und Fürsorge" ist bei Beltz Juventa erschienen. Weitere Informationen zum Buch und zur Bestellung finden Sie hier.

Veröffentlichung der Forschungsergebnisse

Wir freuen uns, dass sowohl der Forschungsbericht als auch wie angekündigt weitere Teile der Forschungsergebnisse in Form von Modulen auf unserer Homepage online veröffentlicht sind.


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